Am 02.01.1905 trafen sich einige Karnevalisten, um die Karnevalsgesellschaft zu Gründen und dem Verein die Satzung zu geben. Nach Präsident Jakob Brockerhoff unterzeichnete Ludwig Vossen, Peter Baakes, Benedigt Steuten, Peter Paas und Johann Hahlen die Gründungsurkunde. Diese wurde dann am 13. Januar 1905 (das offizielle Gründungsdatum) der Verwaltung vorgelegt und der Verein durch Unterschrift des Bürgermeisters offiziell anerkannt und eingetragen.
urkunde
20.11.1921, der erste dokumentierte Kassenbestand. Er belief sich auf 209,50 Mark. Zwischenzeitlich war dieser dann auf 1930 auf nur noch 14,40 Mark abgesunken. Interessant ist auch, dass man am 10.02.1940 den Kassenbestand mit 62,93 Mark abgeschlossen hat und die Kasse am 14.02.1948 nach genau 8 Jahren mit exakt dem gleichen Betrag wieder eröffnet wurde.
1940 wurde das Vereinsleben bzw. die Umzüge über den 2. Weltkrieg eingestellt.
Am 14.02.1948, nach 8 Jahren Abstinenz, wurde das ruhende Vereinsleben mit 26 Mitgliedern wiederbelebt. Diesen 26 Mitgliedern gilt unser aufrichtiger Dank für diese Aufbauarbeit. Denn nicht nur der Umzug wurde neu organisiert, sondern auch das Programm wurde mit der Sitzung ausgebaut. Außerdem erforderten die veränderten Verhältnisse eine Überarbeitung der althergebrachten Statuten.
Da viele Aktive mittlerweile kurz vor der Hochzeit stehen, wird aus dem Junggesellenverein ein Männerverein. Auch Verheiratete dürfen nun Mitglied werden. Auch wer in einen anderen Ort zieht, muss nach altem Recht aus dem Verein scheiden. Um genügend Mitstreiter zu haben, wird auch dieser Passus geändert. Nur so kann 1950 der erste Rosenmontagszug mit Prinz Hans Roos nach dem Krieg auf die Beine gestellt werden. Bis heute haben sich diese Änderungen als Segen für Kött on Kleen erwiesen, denn fast alle Verantwortlichen befinden sich im Stand der Ehe.

Prinz Hans Roos
1953 findet sich aus Kostengründen einfach kein neuer Prinz mehr. Als Preistreiber werden die prachtvollen Kleider ausgemacht. In dieser Krisensituation besinnt sich Urgestein Adolf Rütten, genannt der „Man“ auf die Zeit vor dem Krieg. Der Junggeselle tritt 1953 als Prinz der Freien Herrlichkeit mit vier Ministern an.
Prinz Adolf „De Man“ Rütten und seine Minister
Im Herbst 1956 wurde der Saal, in dem die Festlichkeiten stattfanden, Als Sammelunterkunft für Sowjet-Zonen-Flüchtlinge eingerichtet. Somit stand der Vorstand vor einer schwierigen Entscheidung Es Gab zwei Möglichkeiten:
1. die Veranstaltung in einem beheizbaren Zelt abzuhalten oder
2. die Veranstaltung in einem Saal einer Nachbargemeinde stattfinden zu lassen.
Gott sei Dank entschloß man sich, das Risiko einzugehen und die große Arbeit auf sich zu nehmen, ein beheizbares Zelt aufzustellen. Das Zelt wurde von dem Zeltverleiher EVERS in Rheinberg geliehen. Es musste in den ersten Jahren, um Geld zu sparen, von den Vereinsmitgliedern selber in Rheinberg mit Traktoren und Anhängern abgeholt werden. Als Heizungsanlage diente ein mit Kohle beheizter Kartoffeldämpfer eines Lohnunternehmens. Von der Celluloidfabrik aus Lank würde dann in tagelanger Eigenarbeit geliehene Heizungsrohre installiert, durch die der heiße Dampf ins Zelt geleitet wurde. Diese mühevollen Arbeiten wären heute aus und zeitlichen Gründen durch freiwillige Vereinsmitglieder nicht mehr auszuführen. Damals war dies nur denkbar, weil die Bauern und Landwirtschaftshelfer zu dieser Zeit des Jahres etwas Zeit hatten und die in der Industrie Beschäftigten bereit waren, für diese Arbeit Urlaub zu nehmen. So konnte man 1957 erstmalig in einem Festzelt von ca. 400 qm die Veranstaltung abhalten. Das Festzelt stand auf „Weyergraf's Wiese“(links neben dem Lokal zum Hasen).
Durch die trotz der Eigenleistungen hohen finanziellen Belastungen musste man den Mitgliedsbeitrag auf 3 DM pro Jahr erhöhen.
Zusätzlich wurde bis 1963 eine Haussammlung durchgeführt und einige Karnevalisten mussten für das Leihen des Zeltes bürgen, sollte der Verein die Gelder nicht beibringen können. Als Prinz Heinrich Paas dann in das voll besetzte Zelt einzog, waren alle Sorgen und Mühen vergessen und eine neue Epoche des Nierster Karnevals begann.
Für die Nierster Kinder ist die Session 1960/61 ein denkwürdiges Ereignis. Annemarie Funke-Kaiser geb. Paas und Norbert Paas amtieren nämlich als erstes Nierster Kinderprinzenpaar. Zwar haben die Kinder und ihre Helfer schon vorher eine Art Karneval gefeiert, aber nun ist der Kinderkarneval eine feste Nierster Institution geworden. Aber kein Karneval ohne Wurzel: Schon vor dem Krieg organisiert Dorfschullehrer Skowronek eine Woche vor Rosenmontag einen Zug der acht Volksschulklassen durch die Gemeinde. Auch die Schulkinder sammeln Würste, die anschließend gemeinsam verspeist werden. Viele der Aktiven von Kött on Kleen, die in den 50er und 60er Jahren das Faschingstreiben organisieren, haben dort ihre Begeisterung für das heimische Brauchtum entdeckt.
Auch nach dem Krieg ist es ein Dorfschullehrer, der die Nierster Kinder für den Karneval begeistert. Lehrer Meyer organisiert das Treiben zusammen mit Adolf Rütten.
Ihre Bemühungen gipfeln in der Kür des Kinderprinzenpaares Annemarie und Norbert Paas 1960. Bis 1968 sind Adolf Rütten und Jakob Meyer ein eingespieltes Team, dann wird die Volksschule geschlossen. Rütten übernimmt die Organisation nun ganz, bis 1979 das heutige Kinderkarnevalskomitee, kurz KIKAKO, aus der Taufe gehoben wird. Rütten wird als Verbindungsmann zum Kött on Kleen -Vorstand nun von neun Mitstreitern unterstützt. Es sind: Hans Roos, Hans Wolters, Hermann Fürth, Hermann Schrills, Johannes Schlungs, Franz-Josef Fehmers, Toni Vesper, Gerd Rose und Karl-Heinz Paas.
Kinderprinzenpaar Session 1960/61
Annemarie Paas und Norbert Paas
1970, das Jahr des Prinzen Willi Schrills, war das Jahr der Standortveränderung des Zeltes, das für ein Jahr auf dem Gelände von Josef Daniels neben der Kirche seinen Platz fand. Da das Gelände abschüssig und normalerweise landwirtschaftlich genutzt wurde, gab es folgende Probleme: Für die Dampfheizung mussten zum Abfluß des Kondenswassers die Rohre mit leichter Neigung verlegt werden. Ein sehr aufwendiges Unterbauen der Heizungsrohre wurde an diesem Standort nötig. Das Bauen eines Zeltes auf einer Festwiese ist schon eine Kunst, und auf der „Weyergraf's Wiese“ sind nicht nur einmal die Maschinen stecken geblieben und der Tanzboden abgesunken. Auf dem normalen Acker bei Daniels kam es dann speziell auf dem Tanzboden zu katastrophalen Verhältnissen. Der bis heute noch ideale Standort ergab sich dann durch die teilweise Stilllegung des Schulbetriebes auf dem befestigten Schulhof. Der befestigte Untergrund, die geschützte Lage, die vorhandenen Sozial- und Bürgerräume sind optimale Voraussetzungen bei der Standortbestimmung.
1980 75 Jähriges Jubiläum. Auszug aus dem Geschäftsbuch:
Festabend am 06.06.1980
„Am Freitagabend ballten sich schon früh ganze Menschenmassen vor der Kasse um nur ja einen günstigen Platz zu ergattern. Das Zelt war festlich geschmückt, die Bühne war mit einem Altnierster Panorama ausgestattet und prachtvolle Blumengebände verschönerten das Bild. Ein herrlicher Frühsommerabend ließ die Besucherstimmung und die Temperaturen steigen. Zum Auftakt ließ unser 1. Vorsitzender 75 Jahre Vereinsgeschehen Revue passieren und holte so manches Episodchen aus der Versenkung, was mit viel schmunzeln und lachen kommentiert wurde.
Da ein Karnevalsverein von seiner Natur her schon nicht so bierernst ein solches Fest Feiern kann, erklärt auch, warum wir die Bläck Fööß engagiert hatten. Diese Gruppe versteht es wie keine zweite ein Feuerwerk von zündelnden Liedern wie auch besinnlichen und nachdenklichen Melodien zu zünden. Dies alles wurde von Rütten in seiner Festrede sehr schön herausgestellt. Und dann kamen sie die „Bläck Fööß“ und ließen ihre berühmten Lieder in bravouröser Manier vom Stapel.
An dieser Stelle möchte ich eine persönliche Bemerkung einfließen lassen:
Ich habe die Bläck Fööß schon einmal live erlebt, aber ich glaube so gut wie bei uns waren sie selten. Das ist ein fantastisches Kompliment an unser Publikum, dass geradezu begeistert mit ging. Das wurde uns auch von Musikprofis bestätigt.
Ein wunderbarer Abend klang aus mit unseren Freunden der BSK Schiefbahn. Es ging hoch her bis zum frühen Morgen.
Musikalischer Frühschoppen am Sonntag den 08.06.1980
Der Sonntagmorgen sollte ganz als Jubiläumsvolksfest gesehen werden. Jedoch musste man feststellen, dass die Besucher tröpfchenweise eintrafen. Vermutlich hängt das damit zusammen, dass die Veranstaltungen in zu kurzer Folge hintereinander ablaufen. Das Blasorchester aus Schiefbahn hatte auf der Bühne Platz genommen, um den Morgen mit einem Platzkonzert zu verschönern.
Viele befreundete Vereine waren gekommen um dem Jubelverein zu gratulieren. Die Krefelder Fanfaren, ein Höhepunkt auf unseren Sitzungen, brachten einen musikalischen Blumenstrauß. Auch für diesen Morgen hatte sich der Verein etwas besonderes ausgedacht. Auf Grund eines Geburtstages gab es Freibier aus Gläsern, die mit dem Vereinswappen geschmückt waren. Dieses Glas konnte jeder als Geschenk mit nach Hause nehmen. Ich glaube, diese Geste trägt mit dazu bei, die Besucher an uns zu fesseln. Denn damit zeigen wir, dass wir nicht nur Geld einnehmen können sondern auch auf diese Weise Dankeschön zu sagen.
Um die Mittagszeit zog ein deftiger Erbsensuppenduft durchs Zelt. So wurde für viele der Frühschoppen zum Spät- und Dämmerschoppen.
Man kann sagen, dass dieses Fest gelungen war und noch lange in der Erinnerung nachwirken wird.
2003
Die Neeschter Kerk
Eine Hymne wird für die Nachwelt konserviert
(ein Beitrag von Bernhard Horster)
Ein vieldiskutiertes Thema, an welcher Theke auch immer, war in den letzten Jahren mit Sicherheit: „ Die Neeschter Kerk, dat möss ens op CD“.
Ist der Nierster an sich nach einigen Bier Vorbereitung doch recht Textsicher, so wurden auch vermehrt Stimmen unserer auswärtigen Gäste laut, die ja nur zu den jeweiligen Veranstaltungen in den Genuss kommen.
Auch der Vorstand hat sich seit meinem Mitwirken in diesem Gremium, immer mal wieder dieses Themas angenommen. Vom Kassettenrecorder, der im Zelt aufzeichnen sollte, bis hin zum Hobbykeller-Tonstudio des Bekannten eines Bekannten wurden viele Ideen diskutiert. Eines hatten sie alle gemeinsam –sie verliefen im Sande
Mit Blick auf das 100-jährige wurde aber klar - es muss etwas geschehen
Wie so oft waren nur zwei kleine Probleme auszumerzen: Professionell sollte es sein, aber kostengünstig. Denn eine am Heim-PC gebrannte CD auf einem Discounter-Rohling wäre der Nierster Nationalhymne nicht würdig und der Verkaufspreis sollte in einem akzeptablen Rahmen bleiben.
Mit Peter („Piet“) Dirkmann, nach meinem Dafürhalten der Mann für unser Projekt, hatte ich das Thema bereits vor geraumer Zeit grob umrissen. Ende 2003 wurden wir schließlich konkret. Peter organisierte einen Termin im Tonstudio eines bekannten Radiosenders im Rhein-Kreis Neuss, bei dem er in Lohn und Brot steht.
So fuhren wir, Man, Peter und ich, an einem schönen Samstagmorgen, Ende März, nach Neuss, ungewiss der Dinge, die da kommen sollten. Mit im Gepäck war Man`s Bontempi (er mag mir den etwas abschätzigen Begriff verzeihen, aber wir sollten später noch sehen, was „Orgel“heisst) und Kaffee und Brötchen für zwei Fußballmannschaften. Ich war ja, da gänzlich unmusikalisch, nur für die Logistik zuständig und hatte meine Frau um etwas Verpflegung gebeten.
Neben der „Neeschter Kerk“ hatte unser Man mit „ Heut geht´s rund“ und „Heut sind wir fidel und munter“ zwei weitere Eigenkompositionen zum Einspielen mitgebracht. Die Anregung, das „Körnchesleed“ ebenfalls aufzunehmen, war vorab von mir gekommen, da schon häufig in geselliger Runde selbst intoniert.
Peter spielte die Stücke auf der Orgel ein, Man sang seinen Text dazu und hinterher wurde das ganze am PC gemischt und geschnitten, dass einem schwindelig wurde. Um ca. 15.00 Uhr hatten wir die vier Stücke im Kasten.
Vom Gesang her gab es nichts auszusetzen, doch die Orgel alleine klang zu dünn. Das ganze nur digital mit Orchester zu hinterlegen könne schnell zu steril klingen, merkte Peter an. Bis zum nächsten Termin, bei dem in irgendeiner Form noch ein Chor zusammenzubasteln war, wollten wir uns etwas einfallen lassen.
Das eigentlich Denkwürdige an diesem Nachmittag war aber Mans Antwort auf meine Anmerkung, es wäre schön, ein weiteres Stück auf die CD zu bekommen, dass zum 100-jährigen Jubiläum passt: „Ich lot mech jet enfalle“, so sein Kommentar.
Neben seinen Qualitäten in musikalischer Hinsicht, sowohl rein handwerklich als auch technisch, erwies sich Peter Dirkmann auch als Mann mit perfekten Beziehungen. Schon bald hatte er ein Angebot für die komplette CD-Pressung inkl. Booklet vorliegen und den Kontakt zu einer Grafikerin hergestellt, die bei der Gestaltung des Cover und der CD behilflich sein sollte.
Um die Sache rein musikalisch aufzupeppen, hatte Man seinen Musiklehrer ins Gespräch gebracht, der laut Mans Anpreisungen über eine Art „Wunderwaffe“ der Unterhaltungsmusik verfügt. Für den Chor hatte ich als weibliche Stimme Susan Francke erfolgreich überreden können und Man hatte seine Kollegen von den Rheinmelodikern nochmals rekrutiert.
Der zweite Termin im Tonstudio, Mitte Juli, sollte aus Kostengründen möglichst auch der letzte sein und wurde daher minutiös geplant. Die erste Fuhre frühmorgens bestand aus Man, seinem Musiklehrer Herrn Fritz,Peter und mir. Was Herr Fritz dann in Form seiner Orgel präsentierte, war wirklich nicht zuviel versprochen. Ich hätte dem Ding durchaus zugetraut, dass es auch Sandwich toasten und Kaffee kochen kann.
Piets Kommentar zu dem Gerät: „Das Ding ist gut –die original WDR4- Maschine, genau das, was wir brauchen.“
So wurden erst mal alle Stücke erneut auf Orgel eingespielt.
Willi Schrills, Franz Wolters und Willi Beesen den Männerchor hatten wir für die Mittagszeit einbestellt. Sie gaben sich mit dem Organisten quasi die Klinke in die Hand. Und während die Refrains eingespielt wurden, holte ich Susan Francke ab, die bei der „Neeschter Kerk“, dem Filetstück der CD, den Chor noch abrundete. Um 16.00 Uhr war alles perfekt, den Rest würde Piet am PC erledigen.
An diesem Tag präsentierte Man uns auch, was er sich zum Jubiläum so hatte einfallen lassen: Seine neueste Komposition „100 Johr“.
Bereits beim ersten Zuhören sagte ich der Nummer einen ähnlichen Erfolg wie der „Neeschter Kerk“ voraus. Und Peter, der ziemlich objektiv urteilen konnte, da karnevalistisch nicht so sehr infiziert, bestätigte einen hundertprozentigen Mitmach-Charakter.
Eines jedoch mus s man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, dem aufmerksamen Leser mag es aufgefallen sein: Zwischen der Idee zum Lied und der fix und fertigen Präsentation lagen gerade mal drei Monate. In dieser kurzen Zeit hatte unser Man einen weiteren Ohrwurm komplett getextet und vertont. Ich behaupte, wäre unser Ehrenvorsitzender 25 Jahre später geboren, würde Dieter Bohlen heute Zeitungen austragen.
Aber überzeugt Euch selbst, egal ob live oder auf CD. In diesem Jahr wurde Musikgeschichte geschrieben und bei den Studio-CDs muss ein neuer Meilenstein gemeißelt werden.
Euer Bernhard Horster
 
2005 Jubiläum 100 Johr
 
(Text folgt)
 

 





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